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Interview mit Staatsminister Thomas Schmidt zum Landeserntedankfest

Vom 16. bis 18. September ist die Große Kreisstadt Torgau im Landkreis Nordsachsen Gastgeber des 19. Sächsischen Landeserntedankfestes. Wir sprachen mit dem Schirmherrn der Veranstaltung, dem Sächsischen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Thomas Schmidt. 

Herr Staatsminister, das Wetter zeigte sich in diesem Jahr eher durchwachsen. Lange trockene Perioden blieben im Sommer aus, dagegen gab es – zum Leidwesen der Urlauber und Ferienkinder – häufiger Niederschläge. Welche Auswirkungen hat dies auf die Menge und Qualität bei der Getreide- und Obsternte? 

Nach ersten vorläufigen Ergebnissen für die Getreideernte in Sachsen gehen wir von einer guten Ernte aus. Die Hektarerträge für Winterweizen und Wintergerste erreichen das Vorjahresniveau. Das Ergebnis für Winterraps enttäuscht etwas. Hier bleibt der Ertrag unter dem langjährigen Mittel. Auf eine Geduldsprobe wurden die Landwirte besonders durch die Witterungsbedingungen während der Ernte gestellt. Häufige Niederschläge haben die Ernte unterbrochen, das Erntegeschehen zog sich lange hin. Größere Qualitätsprobleme zeichnen sich in Sachsen momentan nicht ab. Witterungsbedingt und infolge des langen Ernteverlaufs kann es regional zu Abstrichen bei der Qualität kommen. 

Die Obsternte in Sachsen wird trotz nicht ganz optimaler Witterungsbedingungen gut ausfallen. Für die Apfelernte erwarten wir eine Erntemenge in Höhe von 88.000 Tonnen und damit ein etwas geringeres Ergebnis als im vergangenen Jahr. Die sächsischen Verbraucher können sich auf ein ausreichendes, vielfältiges und qualitativ hochwertiges Angebot an heimischen Äpfeln freuen. 

Wenn heute von technischem Fortschritt die Rede ist, denken viele Menschen zuerst an die neuesten Funktionen für Ihr Smartphone. Kaum jemand denkt dabei an Umwelt, Land-, Forst- oder Ernährungswirtschaft. Ich habe gehört, dass Sie das ändern wollen. Können Sie uns sagen wie? 

Wir haben in Sachsen unglaublich viele Projekte, in denen hervorragende Forschungsarbeit in der Umwelt und der Landwirtschaft geleistet werden und aus denen ganz konkret anwendbare Lösungen entstehen. Ich möchte, dass sich die Akteure noch besser vernetzen und dass die Lösungen schnell den Weg in die Praxis finden. Darum hat das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft am 24. August die Zukunftsinitiative simul+ gestartet. Wir wollen Menschen zusammenbringen, um innovative Projekte aus den Bereichen Umwelt, Land- und Ernährungswirtschaft vorzustellen. Zudem soll die Initiative dazu dienen, Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen, neue Ideen entstehen zu lassen und neue Projekte zu initiieren. 

Sie sind Schirmherr der Kampagne „Lebensmittel sind wertvoll“. Beim Landeserntedankfest, bei den Erntedankfesten in den Dörfern und Städten, aber nicht nur dort, wird sich bemüht, darauf aufmerksam zu machen, dass Lebensmittel wertvoll sind. Ist das erforderlich und welche Aktionen/Aktivitäten gibt es?  

Dass Lebensmittel wertvoll sind, ist bei vielen Verbrauchern leider aus dem Blick geraten. Nach einer neuen Studie landen in Deutschland jedes 53 Kilogramm Lebensmittel im Müll - pro Einwohner. Das bedeutet: eine durchschnittliche vierköpfige Familie könnte im Jahr rund 1.000 Euro sparen, wenn sie verantwortungsbewusst mit Lebensmitteln umgeht. Aber das ist nicht der einzige Grund: auch die nicht verzehrten Lebensmittel benötigen bei ihrer Herstellung Ressourcen wie Wasser und Boden und sorgen für Treibhausgase. Wir brauchen einen bewussteren Umgang. Und dazu kann jeder selbst beitragen. 

Darum sind mir die vielfältigen Initiativen in diese Richtung wichtig. Seit 2013 fördert Sachsen eine Initiative des Christlich Sozialen Bildungswerkes, die insbesondere Kindern und Jugendlichen den Wert von Lebensmitteln vermitteln will. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf Milch und Milchprodukte, die derzeit ja regelrecht verramscht werden. 

Auch das Landeserntedankfest ist eine gute Tradition, die wir gern pflegen. Die Dankbarkeit für die Ernte und für die Arbeit der Landwirte, die damit für das tägliche Brot der Menschen sorgen.

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